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Exkurs: Wird mein Kind ein guter Mensch?

Wie wird mein Kind ein guter Mensch

Wenn der eigene Nachwuchs etwas gestohlen oder ein anderes Kind geschlagen oder mal wieder gelogen hat, beunruhigt das Eltern für gewöhnlich sehr. Sie bekommen Angst, dass sie bei der Erziehung ihrer Kinder versagen könnten, dass es ihnen nicht gelingt, die richtigen Werte zu vermitteln, dass ihr Kind am Ende kein "guter Mensch" wird. Werte haben für Eltern auch heute noch einen hohen Stellenwert. Wie aber funktioniert Wertevermittlung und welche Werte sind dabei besonders wichtig? Wie lernen Kinder sich in andere einzufühlen, sich fair zu verhalten und eben nicht nur eigensinnig zu handeln?

In der modernen Gesellschaft ist eine Vielzahl von Werten gefragt. Teilweise solche, die miteinander konkurrieren. So werden beispielsweise im Berufsleben häufig ganz andere Werte verlangt als in der Familie. Macht es insofern überhaupt Sinn, Kindern ganz bestimmte Ideale menschlichen Verhaltens zu vermitteln? Auf jeden Fall! Das bestätigen auch Experten: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Kinder, in deren Familie bestimmte Werte vorherrschen, glücklicher sind. Sie erlebten mehr Herzlichkeit in ihrem Leben, erweisen sich bei Problemen und Misserfolgen als belastbarer und haben meistens auch eine optimistischere Haltung.

Zehn wichtige Werte für Kinder

Wayne Dosick, Religionswissenschaftler, Psychologe und Autor des Buches "Kinder brauchen Werte. 10 Lebensregeln, die Kindern Halt und Orientierung geben", hat eine Liste an Werten erstellt, die Eltern ihren Kinder unbedingt mitgeben sollten: Respekt, Wahrhaftigkeit, Fairness, Verantwortungsbewusstsein, Mitgefühl, Dankbarkeit, Freundschaft, Friedfertigkeit, Streben nach persönlicher Reife und die Fähigkeit, an etwas zu glauben. Für Dosick sind das zeitlose Werte, die das Leben der Kinder genauso wie den Umgang der Menschen miteinander erleichtern werden.

Ehrlichkeit ist Menschen in Deutschland am wichtigsten

Die deutsche Bevölkerung scheint die Bedeutung traditioneller Werte ähnlich bedeutsam einzuschätzen. Für seine September-Ausgabe fragte das Magazin Reader's Digest 1005 Personen in Deutschland: "Welchen Wert würden Sie als ersten an ihre Kinder weitergeben?" Die Teilnehmer der Umfrage konnten sich dabei zu den fünf vorgegebenen Werten Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Familiensinn, Freiheit und Solidarität äußern. Klarer Gewinner war dabei die Ehrlichkeit, für die sich fast jeder Zweite entschied - Männer wie Frauen, jung wie alt, die Menschen im Osten genauso wie die im Westen. Dahinter landeten Gerechtigkeit und Familiensinn.

Auch die Nutzer des Eltern-Portals von t-online.de halten Ehrlichkeit für den wichtigsten aller Werte. In einer Umfrage, in der mehrere Antworten zulässig waren, wollten wir wissen, welche der zehn Werte von Dosick unsere Leser ihren Kindern vermitteln wollen. Es antworteten insgesamt 5177 Besucher. Mit 4356 Stimmen führt "Ehrlichkeit" die Liste der wichtigsten Werte an. Die Erziehung zu Respekt halten ebenfalls viele unserer User für wichtig. 4199 Personen gaben an, dass sie versuchen ihre Kinder zu Respekt zu erziehen. Insgesamt zeigt die Auswertung der Umfrage, dass für die Menschen eine werthaltige Erziehung wichtig ist. Neun von Dosicks zehn Grundwerten waren jeweils über der Hälfte aller Umfrageteilnehmer wichtig. Nur das Streben nach persönlicher Reife erreicht mit 2281 Stimmen einen Wert knapp unter 50 Prozent.

Kleinkinder müssen Mitgefühl erst lernen

Die moralische Entwicklung vom affektbestimmten Kleinkind zum verantwortungsbewussten Erwachsenen ist ein langer Prozess, der sich über mehrere Stufen zieht: So sind Werte wie Fairness, Respekt vor anderen und deren Eigentum, Wahrhaftigkeit, Friedfertigkeit oder Mitgefühl im Kindergartenalter fast noch gar nicht vorhanden. Konflikte werden hier noch sehr oft handgreiflich ausgetragen, es wird viel geschwindelt und wenn man etwas haben will, dann wird selten Rücksicht darauf genommen, dass das "Objekt der Begierde" vielleicht jemand anderem gehört.

Es braucht ein ausgeprägtes Gewissen, damit das Kleinkind diese unerwünschten Verhaltensweisen nach und nach ablegt. Das unterstützen Eltern am besten, indem sie die Fähigkeit ihres Kindes zur Empathie stärken. Ein mitfühlendes Kind wird dann schon bald versuchen so zu handeln, dass es keinem anderen absichtlich Schaden zufügt. Um das Mitgefühl der Kleinen zu stärken, empfehlen Experten Eltern die Methode der Induktion: Dabei sollen Kleinkinder mithilfe ihrer Eltern entdecken, dass andere die gleichen Gefühle empfinden wie sie selbst.

Eltern bewerkstelligen das durch eine übertriebene Reaktion auf das negative Verhalten ihrer Kinder. Haut das Kind seiner Mutter beispielsweise auf den Arm, würde diese sich mit betrübtem und traurigem Blick den Arm halten und dabei "Aua, aua! Das tut weh!" rufen. Nach kurzer Zeit wird das Kind einen ähnlichen Blick aufsetzen und im besten Falle beginnen, die Mutter zu trösten und zu streicheln. Die eigenen Gefühle werden so für das Kind sichtbar und nachfühlbar und allmählich begreift es, dass bestimmte Verhaltensweisen negativ besetzte Reaktionen beim anderen zur Folge haben. Hierbei sollten Eltern ihrem Kind ihre Gefühle nur in übertriebener Form darstellen, sie sollten sie allerdings nicht versuchen zu erklären oder dem Kind sogar Schuldgefühle bereiten. Ähnlich gehen auch viele Kindergärten bei der Vermittlung von Werten vor: Dort werden bestimmte Programme - am bekanntesten das Projekt "Faustlos" - eingesetzt, in denen die soziale Kompetenz der Kids zum Beispiel mithilfe von Handpuppen erhöht werden soll. In Schulen geschieht das unter anderem in Form von Streitschlichter-Programmen und in Sportvereinen durch die Richtlinien des "Fair Play".

Grundschule: Wie du mir, so ich dir!


Bis zu Beginn des Grundschulalters haben Kinder normalerweise schon viele sinnvolle Wertvorstellungen verinnerlicht. Trotzdem sind Eigenschaften wie Fairness und Hilfsbereitschaft in diesem Alter oft noch wenig ausgeprägt. Nachgeben oder freiwillig mit weniger als der andere zufrieden sein, sind Verhaltensweisen, die man in dieser Altersgruppe selten beobachtet. Stattdessen bestimmt meistens der Sinn für ausgleichende Gerechtigkeit das Verhalten der Kids: Geht es darum, Süßigkeiten miteinander zu teilen, muss aufs Milligramm genau abgewogen werden. Und wenn beim Spielen nur ein Bobby Car zur Verfügung steht, muss sich jedes der Kinder auf die Sekunde genau gleich lang mit dem "Auto" beschäftigen dürfen. Ansonsten ist Streit vorprogrammiert.

Um auch diese Phase zu überwinden, raten Kinderpsychologen den Eltern dazu an eine höhere Motivation zu appellieren: Muss der siebenjährige Bruder beim Aufräumen oder im Haushalt mehr helfen als die vierjährige Schwester, obwohl er das nicht einsieht, könnten Eltern das zum Beispiel so erklären: "Ich möchte, dass du das machst, weil du nun mal der große Bruder bist!" Oder: "Deine Schwester ist jünger als du, deshalb kannst du ihr ruhig etwas mehr helfen. In unserer Familien helfen wir uns nämlich gegenseitig." Auf diese Weise geht es für das Kind nicht mehr nur um die spezielle Arbeit, die getan werden muss, sondern um übergeordnete Werte wie Verantwortungsbewusstsein oder Hilfsbereitschaft.

Im späteren Grundschulalter lassen sich die meisten Dinge bereits mit einfachen Worten erklären: So können Eltern mit ihren Kindern schon über die Gefühle anderer sprechen oder die Folgen von bestimmtem negativem Verhalten wie zum Beispiel Faulheit, Unhöflichkeit oder fehlender Hilfsbereitschaft aufzeigen. Natürlich werden Werte auch durch das gute Beispiel der Eltern vermittelt: Der Umgang miteinander - auch wenn es zu Streit kommt - sollte respektvoll und fair sein und auch Gespräche über Dritte sollten nicht herablassend oder beleidigend auf das Kind wirken. Zudem kann soziales und ehrenamtliches Engagement der Eltern als wunderbares Vorbild für Kinder dienen. In Sportvereinen, im Konfirmantenunterricht oder beispielsweise bei den Pfadfindern haben Kinder die Möglichkeit sich dann auch selbst für einen guten Zweck einzusetzen.

Elternkonkurrenz durch Internet und Fernsehen


Entwicklungsforscher gehen davon aus, dass die moralische Entwicklung und damit die Wertevermittlung etwa mit Beginn der Pubertät abgeschlossen ist. Ab diesem Zeitpunkt kann es für Eltern in erster Linie nur noch darum gehen, dass die Kinder das bisher Gelernte nicht wieder vergessen. Ein Unterfangen, das aufgrund des immer größeren Einflusses durch Clique und Schulklasse, aber vor allem auch durch Fernsehen, Computer und Internet, nicht immer ganz leicht ist. Während Eltern beispielsweise an die Friedfertigkeit ihrer Kinder appellieren, wird das Thema Gewalt durch zahlreiche Computerspiele oder Horrorfilme verharmlost.

An dieser Stelle ist Medienerziehung gefragt: Zweifellos ist es schwer für Eltern immer zu wissen, was sich ihre pubertierenden Kinder im Fernsehen oder im Internet anschauen. Jedoch sollten sie ihre Kinder nicht gänzlich den angesagten Medien überlassen. Sie sollten hingegen kontrollieren, dass der Fernseh- und Internetkonsum nicht ins Unermessliche steigt und zudem Interesse an den Sendungen und Spielen ihrer Kinder zeigen. Sind sie mit diesen Inhalten nicht einverstanden, können sie mit den Kindern darüber sprechen und auch über deren Beweggründe, sich so etwas anzuschauen, mit ihnen diskutieren.

Quelle: http://eltern.t-online.de/erziehung-so-vermitteln-eltern-die-richtigen-werte/id_42200644/index [zuletzt abgerufen: 07.02.2012]
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